Die schönsten Bräuche zur Weihnachtszeit in Deutschland

von Andrea Ruppert, Elternfachkraft in unserer Kinderkrippe „Neue Wegelagerer“.

Alle Jahre wieder … Weihnachtsbaum, Adventskranz und Adventskalender begegnen uns Jahr für Jahr zur Weihnachtszeit, versüßen uns das Warten auf Weihnachten, sorgen für strahlende Kinderaugen und bringen Festtagsstimmung in unseren Alltag.

All diese Dinge sind für uns selbstverständlich und nur selten beschäftigen wir uns mit der Herkunft und Bedeutung all dieser schönen Traditionen.

Sind wirklich alle unsere Weihnachtsbräuche so alt, wie wir glauben und was steckt dahinter?

Mit einem Adventskalender die Tage bis Weihnachten zählen

Der Adventskalender soll die Tage bis zum Heiligen Abend verkürzen. Der Kalender ist – insbesondere für Kinder – der Zeitmesser vom 1. bis zum 24. Dezember. Dieser kann mit materiellen Dingen, aber auch mit kleinen Briefen, Versen oder besonderen Aktionen wie zum Beispiel „ein Winterspaziergang durch den Wald“ gefüllt sein.

Ursprünglich war er als eine Art Zeitmesser für die Vorweihnachtszeit und vorwiegend im lutherisch-protestantischen Bereich verbreitet. Dabei gab es verschiedene Arten, den Kalender zu gestalten. Manche Familien malten Kreidestriche an Wand oder Türen, von denen ab dem 1. Dezember täglich einer weggewischt wurde. Andere gestalteten Wände mit täglich einem neuen Bild, bis am Heiligen Abend 24 Bilder die Wände zierten oder legten in eine Krippe täglich einen Strohhalm mit dazu.

Der erste gedruckte Adventskalender entstand im Jahr 1904 und wurde von einem Münchner Unternehmer hergestellt. Er bestand aus einem Bogen mit 24 Bildern, von denen täglich eines ausgeschnitten und auf einen weiteren Bogen mit 24 Feldern aufgeklebt werden konnte. Von diesem Zeitpunkt an entwickelten sich die verschiedensten Arten von Kalendern.

Für mich persönlich war es ab dem ersten Tag des Dezembers immer eine Leichtigkeit in der Früh aus dem Bett zu kommen, denn es wartete immer schon ein Türchen oder ein Päckchen, das mit einer süßen Verführung oder einer kleinen anderen Überraschung gefüllt war. Am schwersten war es wirklich jeden Tag abzuwarten bis das nächste Türchen dran war. Dann wurde auch schon einmal das Päckchen vorgefühlt oder geschüttelt und die wildesten Phantasien sind entstanden. Eine aufregende Zeit. Vorfreude ist die schönste Freude!

Wie ging es Ihnen als Kind? Fühlten Sie auch in der Magengrube dieses Kribbeln und den Wunsch, die Zeit ein wenig vorzustellen?

Einen Adventskranz aufstellen

Der Adventskranz gehört zu den wichtigsten vorweihnachtlichen Brauchtümern. Traditionell flechten ihn viele aus Tannenzweigen und bestücken ihn mit vier Kerzen. An jedem Adventssonntag wird eine mehr angezündet.

Die Kerzen am Adventskranz verkürzen die Zeit ab Adventsbeginn bis zum Heiligen Abend. Das Licht wird mit jeder weiteren Kerze heller und symbolisiert damit die steigende Vorfreude auf das Fest. Die traditionellen Farben sind Rot und Grün. Dass Grün der Tanne als Symbol des Lebens und Rot als Symbol der Liebe.

Der Adventskranz wurde erstmals im Jahr 1839 erwähnt und bestand damals noch aus Holz und 23 Kerzen, vier großen weißen und 19 kleinen roten Kerzen. Damals baute ein Hamburger Erzieher diesen Kranz für seine Schützlinge, um Ihnen zu zeigen, wie lange sie noch auf Weihnachten warten mussten. Aus dieser Idee entwickelte sich später dann der heute bekannte Adventskranz mit vier Kerzen. Seinen festen Platz fand er immer in der ,,Stuben“, wo alle sich die Familie traf um gemeinsam die nächste Kerze anzünden und natürlich durfte dabei der Schoko-Lebkuchen und der Kinderwunsch nicht fehlen. Heutzutage erstrahlt der Kranz in vielen Farben und ist immer noch ein Zeitinstrument, um uns auf die spannenden Tage vorzubereiten. 

Noch heute habe ich den Duft der frischen Tannennadeln in der Nase und erinnere mich an den beruhigenden Kerzenschein, welcher eine sanfte Stimmung in mir erweckte und die Vorfreude entfachte.

Einen Tannenbaum aufstellen und schmücken

Der uns heute geläufige Weihnachtsbaum hat seinen Ursprung aber wahrscheinlich in der heidnischen Tradition. Zur Zeit der Wintersonnenwende holte man sich sogenannte Wintermaien ins Haus. Diese grünen Zweige waren ein Zeichen des Lebens, sollten Wintergeister vertreiben und versprachen Schutz und Fruchtbarkeit.

Ein geschmückter Weihnachtsbaum wurde allerdings erst im Mittelalter, 1419, erstmalig erwähnt. Die Freiburger Bäckerzunft stellte einen mit allerlei Süßigkeiten geschmückten Baum auf, der zu Neujahr von den Kindern der Stadt geplündert werden durfte. Die ersten Weihnachtsbäume waren noch völlig unbeleuchtet, da Wachs teuer war. Erst mit der Erfindung von Stearin (1818) und Paraffin (1837) wurde die Herstellung preisgünstiger Kerzen möglich und Weihnachtsbäume erstrahlten allerorts in festlichem Glanz. Noch heute ist es eine deutsche Tradition, bei Staatsbesuchen einen Weihnachtsbaum als Geschenk an andere Länder zu überbringen.

Wenn es nur noch wenige Tage bis Weihnachten sind, kann man gemeinsam als Familie den Weihnachtsbaum kaufen. Die Kinder können den Baum mit aussuchen und werden so in diesen Prozess mit einbezogen. Im Anschluss kann man mit den Kindern den Baum nach Belieben schmücken. Aus Sicherheitsgründen sollte man auf echte Kerzen im Baum verzichten und stattdessen auf eine Lichterkette zurückgreifen. Wenn dann der Baum steht und in verschiedenen Farben funkelt, dann ist es ganz bald Weihnachten.

Weihnachtsmann/Bischof Nikolaus

Der uns heute bekannte Weihnachtsmann entstammt der Legende des heiligen Nikolaus von Myra, einem Bischof aus dem 4. Jahrhundert. Er wird in erster Linie als Schutzpatron der Kinder verehrt. Die Kinder werden traditionell an seinem Namenstag, dem 6. Dezember, bzw. oft auch schon am Abend des 5. Dezembers beschenkt. Dieser Brauch hält sich bis heute nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas, wo der heilige Mann auch unter den Namen Sinterklaas (Niederlande) oder Väterchen Frost (Russland) agiert. Früher war es so, dass der eigentliche Bescherungstag zu Weihnachten nicht wie heute der 24. Dezember war, sondern bereits der 6. Dezember. Erst im Laufe der kirchlichen Reformation änderte sich dieser Brauch.

Das traditionelle Erscheinungsbild des Weihnachtsmannes mit rotem Gewand und weißem Rauschebart, wie wir es heute kennen, wurde übrigens in den USA geprägt. In Europa war das traditionelle Bischofsgewand deutlich verbreiteter.

Ich erinnere mich, dass wir schon einen Tag vor dem Besuch aufgeregt waren. Die Stiefel wurden blitz-blank geputzt und warteten auf unserer Holztreppe. Die ganze Nacht blieb ich wach (dachte ich zumindest) aber ich habe niiiieee geschafft den Nikolaus bei seiner Arbeit zu beobachten. Umso schöner war es dann, die Überraschung zu entdecken und den Stiefel zu entleeren.

Plätzchen backen und gemeinsam basteln

Ganz beliebt ist natürlich das Plätzchenbacken. Mit Freunden der Kinder oder anderen Verwandten kann man an einem Adventswochenende verschiedene Weihnachtsplätzchen backen. Während dieser Freizeitbeschäftigung können die Kinder ihre Kreativität ausleben. Ebenso kann man mit seinen Kindern zusammen malen oder weihnachtliche Dekorationen basteln. Diese können gleich Geschenke für die Großeltern werden, die sich sicherlich über eigene Kreationen der Enkelkinder erfreuen werden. Oder erstellen Sie mit den Kindern selbstgemachte Weihnachtskarten, die sie zum Beispiel hier direkt drucken und verschicken lassen können.

Weihnachtsmärkte besuchen

Neben Plätzchen backen und Basteln kann man natürlich auch dem Weihnachtsmarkt einen Besuch abstatten. Dort findet man unterschiedliche Fahrgeschäfte, in denen die Kinder sicherlich ihre Freude haben werden. Oft gibt es neben den klassischen Karussells auch ein Riesenrad, in dem Sie als gesamte Familie mitfahren können. Beliebt ist auch, sich mit anderen Familien auf dem Weihnachtsmarkt zu verabreden und das Wochenende dort gemeinsam zu verbringen.

Gerade die letzten Stunden vor der Bescherung sind für die Kinder besonders spannend. Um die Anspannung zu nehmen, besuchen viele Eltern mit ihren Kindern den Gottesdienst in die Kirche. Im Anschluss gehen sie dann nach Hause, wo der Weihnachtsmann oder – in Bayern – das Christkind die Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt hat. Alternativ kann man mit der ganzen Familie auch einen kleinen Winter-Spaziergang machen.

Wie auch immer Sie die Adventszeit mit Ihren Kindern gestalten möchten, bewahren Sie stets Ruhe und freuen Sie sich auf viele familiäre Momente.


Wenn ihr Fragen habt zum Thema „Weihnachtsbräuche in Deutschland“ oder auch zu meiner Tätigkeit als Elternfachkraft schreibt mir gerne An Andrea.ruppert@nwjugend.de.

Andrea Ruppert ist Elternfachkraft in unserer Kinderkrippe „Neue Wegelagerer“.


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